Nadelnder Baum, schief gesungene Lieder, kitschiges Lametta – mit den meisten dieser Bräuche kann ich nicht viel anfangen. Aber eine Weihnachts-Tradition ist mir wichtig: Brettspiele. Der Dezember stand ganz unter diesem Motto und wie auch schon in den letzten Jahren war das Highlight… Ach nein, das verrate ich jetzt doch noch nicht.

Im Dezember habe ich so viel gespielt, wie in keinem anderen Monat des Jahres. Das trifft zwar jedes Jahr zu, dieses Jahr aber ganz besonders. Und es war alles dabei: denkwürdige Geschichten, riesige Enttäuschungen, tolle Entdeckungen und alte Schätze.

Something Old

Nachdem wir vor über einem Jahr an der letzten Mission gescheitert waren, haben wir in anderer und kleinerer Gruppenzusammensetzungen jetzt wieder Mechs vs Minions ausgepackt und nicht nur das letzte Szenario gemeistert, sondern auch gleich wieder von vorne angefangen – mit erhöhter Schwierigkeit.

Mechs vs. Minions begeistert mich auf sehr vielen Ebenen: Die Charactere und die Story werden mit ganz wenig Worten, trotzdem aber sehr eindrücklich und lebhaft vermittelt. Und das Spiel selbst vereint einfach wunderbar Chaos mit Planung.

Über die absurde Produktion des Spiels müssen wir nicht reden, dafür muss man nur einen Blick in die Schachtel, auf die perfekten Inserts und auf die geheimnisvolle Bonus-Box werfen.

Für mich ist es aber auch ein ganz besonderes Kooperationsspiele: Durch den Zeitdruck beim Draften der Karten und die sehr involvierte Programmierung des eigenen Mechs sind alle Spielerinnen sehr auf sich konzentriert. Jede versucht das Beste aus dem eigenen Yordle herauszuholen. Aus diesen Einzelleistungen heraus wächst dann in der Action-Phase der gemeinsame Teamerfolg.

Und wenn es mal nicht so gut klappt, ist es doch zumindest immer sehr lustig.

Something New

Ok, kommen wir zum Highlight des Dezembers und der oben schon angekündigten Weihnachtstradition: Wie schon die letzten Jahre haben mein Mann und ich uns auch dieses Jahr wieder um die Rettung der Welt vor tödlichen Krankheiten gekümmert: Wie auch schon die ersten zwei Teile, ist auch Pandemic Legacy Season 0 ein Meisterwerk.

Rob Davieau und Matt Leacock, die zwei Designer des Spiels, zeigen mal wieder, wie gut sie ihre Arbeit beherrschen:

  • Die Story ist zwar nicht weltbewegend, aber spannend und verknüpft sich geschickt mit den anderen zwei Teilen.
  • Die Mechanik ist wieder einmal ein schöner Twist auf das bekannte Pandemie-Konzept. Statt Viren versucht ihr Spione vom Spielbrett zu entfernen und statt Heilmitteln baut ihr Einsatzteams, die dann in niedlichen Bussen über die Weltkarte tuckeln.
  • Die Legacy-Elemente sind noch vielseitiger, überraschender und fügen noch mehr neue Elemente ein, als in den ersten zwei Teilen.

Der größte Genie-Streich sind zweifellos die Pässe mit den unterschiedlichen Identitäten. Einerseits weil sie dir viele Möglichkeiten geben, verschiedene Fähigkeiten zu verbinden und so einzigartige Character-Builds zu erstellen. Andererseits und vor allem aber auch: Weil du dadurch gleich dreimal die Gelegenheit hast, dir aus den Stickern Passfotos zusammenzubasteln.

Ich hatte so viel Freude an dem Spiel, dass ich am liebsten gleich wieder von vorne (beziehungsweise in der Mitte) bei Season 1 anfangen würde.

Einen Bonus-Shoutout will ich außerdem noch dem tollen kleinen Spiel Fish’n’Flips von Gaiagames widmen. Solo oder im Team dreht und kombiniert man Fische, setzt ihre Fähigkeiten ein und befreit sie so aus den Netzen. Ein simples, kleines Rätselspiel, mit dem man richtig viel Spaß hat und in dem man zusätzlich noch viel über Meeresverschmutzung lernen kann.

Something Borrowed

Ich lese wirklich nicht viele Print-Zeitschriften, im Dezember habe ich aber eine Spielezeitschrift kennengelernt und bin so ein klein wenig verliebt. Von Senet erscheint gerade die vierte Ausgabe und alle, die ich bisher lesen konnte, waren ein Genuss. Die Texte sind toll geschrieben, die Inhalte decken ein schönes breites Spektrum ab und das Grafikdesign ist der absolute Wahnsinn.

Meine bisherigen Highlights waren das Interview mit Eric Lang in Ausgabe zwei und das Künstlerprofil für Kwanchai Moriya im dritten Heft.

Die Zeitschrift ist englisch, aber wenn du damit kein Problem hast, kann ich dir nur empfehlen, mal einen Blick in eine der Ausgaben zu werfen.

Something BlueRosa

Wer meinen Blog in den letzten Wochen besucht hat, wird es wohl bemerkt haben: Ich habe diesen Artikel erst im Nachhinein geschrieben und dann nachdatiert. Geschichtsrevisionismus, wie er im Buche steht.

Aber mein Blog, meine Regeln. Wer willst du mich etwa aufhalten, wenn ich grinsend in meine rosa Zeitmaschine steige? Vor Paradoxen fürchte ich mich auch nicht, wozu hab ich denn drei Staffeln Dark angesehen?

Die nächsten Artikel erscheinen aber wieder dann, wenn sie erscheinen. Versprochen.