Nicht nur Wortspiele

Rosas Spieletisch Oktober

Der Herbst hat begonnen. Die Welt um uns wird gleichzeitig bunt und grau, dank Uhrumstellung geht gefühlt schon beim Mittagessen die Sonne unter und vom Himmel rieseln abwechselnd Blätter und Regen. Und Brettspiele.

Ja, auch im Jahr der Ausnahmesituationen ist der Oktober für die Spielewelt der Messemonat. Wir konnten zwar dieses Jahr nicht alle nach Essen strömen, um die dortigen Hotelpreise in astronomische Höhen zu treiben, aber wir konnten uns bei der Spiel.digital an Neuheiten, Panels, Demos und Diskussionen erfreuen.

Ich habe die Messe nicht sonderlich verfolgt, habe mich nur ein wenig in den digitalen Messehallen umgesehen. Stattdessen habe ich mich in einer Vierergruppe zu unserem eigenen kleinen Brettspiel-Retreat zurückgezogen. Und das bedeutete: Eine Woche lang spielen bis zum Umfallen.

Meine Top 9 des Monats. Erstellt mit dem Generator von Pubmeeple.

Diese selbstgewählte Mission haben wir ziemlich ernst genommen, dadurch kamen viele Klassiker (zum Teil erstmals) auf den Tisch, aber auch einige Messeneuheiten konnten wir schon testen.

Something Old

Zugegeben, so richtig alt ist Quirky Circuits noch nicht. Aber es steht jetzt schon eine ganze Weile in meinem Regal und war zwar immer sehr putzig und nett zu spielen, aber irgendwas hat noch gefehlt.

Jetzt weiß ich endlich was: vier Spielerinnen. Bisher hatte ich das Spiel nämlich nur zu zweit oder dritt gespielt.

Quirky Circuits ist ein Programmier-Spiel gemischt mit The Mind. Zu Beginn der Partie wählen alle Spielerinnen gemeinsam eine der vier Spielfiguren und ein dazu passendes Szenario aus. Wollt ihr gemeinsam mit Gizmo, der Katze auf dem Roomba, freche Staubhäschen durch die Wohnung jagen? Oder wollt ihr als Hummelroboter Gartenarbeiten erledigen?

Da scheint jemand neidisch auf das schicke Fahrzeug zu sein.

Die gewählte Figur kommt gemeinsam mit ein paar Plättchen auf das Spielfeld und ihr macht euch kooperativ daran, den niedlichen Roboter zu steuern und hoffentlich zu seinem Ziel zu führen.

Dafür benutzt ihr die Karten auf eurer Hand. Ohne darüber zu reden und in beliebiger Reihenfolge legt ihr diese Karten verdeckt in eine Programmiersequenz. Das macht ihr so lange, bis jede von euch mindestens eine Karte gespielt hat und mindestens fünf Karten in der Reihe liegen. Dann deckt ihr die Karten auf und führt sie aus.

Die Karten haben Effekte wie Bewegung, Drehung oder Aufheben und ihr wisst natürlich nie so genau, welche Karten eure Mitspielerinnen gelegt haben. Eine kleine Hilfe sind die Kartenrückseiten, die zumindest grob anzeigen, was schon so in der programmierten Reihe liegt. Ok, Robin hat eine Bewegungskarte gespielt. Aber vorwärts? Rückwärts? Seitwärts? Du weißt es nicht, kannst aber versuchen ihren Plan zu erahnen.

Wie auch bei The Mind fühlt es sich gut an, wenn man Raport mit den Mitspielerinnen erreicht und eure Karten perfekt zusammenpassen. Und zusätzlich ist es oft auch sehr lustig, wenn es nicht funktioniert.

Du solltest nur aufpassen, mit wem du spielst: Wenn jemand einfach nicht mit der Schwarmintelligenz der anderen zurecht kommt, kann es frustrieren und auch mal zu wilden Schuldzuweisungen führen.

Ansonsten aber eine absolute Empfehlung von mir. Vorausgesetzt, du gehörst zu den Glücklichen, die momentan eine Vierergruppe im eigenen Haushalt haben.

Something New

Im Oktober habe ich sehr viele Spiele zum ersten Mal gespielt. Darunter einige Klassiker wie Viticulture – Essential Edition und Ein Fest für Odin, aber auch einige Neuheiten wie Nemesis und New York Zoo. Reden möchte ich über Super-Skill Pinball 4-cade, das nächstes Jahr als Flippermania bei Frosted Games erscheint.

Es handlet sich dabei um ein Roll-and-Write Flipperspiel. Geoff Engelstein ist es gelungen, das Thema und das damit verbundene Feeling perfekt an den Spieltisch zu übertragen. Du wählst einen Tisch, legst die erste Kugel darauf parat und dann geht es los. Jede Runde würfelst du mit zwei Würfeln, wählst einen davon aus und bewegst die Kugel – natürlich nach unten – zu einem Flipperelement mit der entsprechenden Nummer. Wenn du unten angekommen bist, kannst du die Kugel mit den Flippern wieder nach oben schießen – vorausgesetzt du hast eine passende Zahl gewürfelt. Denn wer Roll-and-Writes kennt, ahnt es vielleicht schon: Jedes Mal, wenn du ein Element triffst oder einen Flipper benutzt, musst du dort ein Feld mit der entsprechenden Zahl durchstreichen. Du kannst es vorerst nicht mehr benutzen. Wenn du kein passendes Feld für einen Wurf zur Verfügung hast, verlierst du.

Gewürzt wird das Spiel mit unterschiedlichen Boni, die du freischaltest, wenn du die richtigen Elemente triffst. Boni, wie du sie auch vom echten Flippern kennst: Verdoppler, Punktetunnel und natürlich Multi-Ball.

Das ganze macht einfach tierisch Laune und die unterschiedlichen Tische (vom Einsteigertisch Carniball bis zum sehr komplexen Dragonslayer) bringen viel Abwechslung.

Einen kleinen Haken hat das Spiel aber: Es eigenet sich fast nur als Solo-Spiel, weil es sowieso keine Interaktion gibt und manche Spielerinnen schon deutlich vor anderen ausscheiden können. Vielleicht ist es aber genau deshalb genau das Richtige für den bevorstehenden November.

Wenn du es mal ausprobieren willst, kannst du dir die kostenlose Print & Play Version holen.

Something Borrowed

Im Fachhandel und auch in der Berichterstattung findet man fast nur Brettspiele aus Europa und Nordamerika. Deshalb bin ich sehr froh über den Blog Du bist dran! von Hilko Drude verbracht. Er berichtet dort sehr ausführlich und unterhaltsam über Spiele, die mal nicht aus Europa und Nordamerika kommen.

Besonders lesenswert finde ich auch seinen schon ein paar Monate alten Artikel zu Black Lives Matter. Sehr durchdacht legt er dar, welche Rolle die Bewegung auch für die deutsche Spieleszene spielt und was jeder einzelne von uns tun kann, um Brettspielen zu einem inklusiven Hobby zu machen.

Auch im Zuge der Spiel.digital war Hilko sehr aktiv und hat in mehreren Vorschauen und Rückblicken Verlagen und Spielen eine Plattform geschaffen, die ansonsten im Schatten der üblichen Giganten stehen. Sehr gespannt bin ich seither zum Beispiel auf Village War: The Calamity von Kenechukwu Ogbuagu KC, das in einer an Igbo-Mythologie angelehnten Fantasy-Welt spielt.

Image credits: Nibcards.

Something BlueRosa

Nach August und September ist das hier mein dritter Monatsrückblick. Wie du beim Lesen bis hierher vielleicht bemerkt hast, habe ich dieses Mal ein neues Format gewählt und werde das auch zukünftig beibehalten.

Unter Something Old rede ich über ein Spiel, dass ich nach längerer Zeit mal wieder gespielt habe und unter Something New liefere ich dir meine kurze Meinung zu einem Spiel, das ich bisher noch nicht kannte.

Something Borrowed gibt mir Raum, Artikel von anderen Bloggerinnen weiterzuempfehlen und zu diskutieren.

Und was Something Rosa macht, kannst du dir vielleicht schon denken: Hier erzähle ich, was es neues im Blog gibt. Diese Woche ist das natürlich diegenau diese neue Struktur, ich habe aber noch eine andere glitzernde und glänzende Neuigkeit: Meine Reviews haben seit diesem Monat neue Boxen am Ende. Zum einen mit meinem finalen Fazit zum Spiel, zum anderen auch mit meinen Gedanken zu Text, Diversität und Solo-Spielbarkeit.

Diese Boxen kannst du schon live in Action sehen und zwar bei meinen Artikeln zu Dinosaur Island, The 7th Continent und Dale of Merchants.

Zum Abschluss würde mich noch interessieren, wie du die Spiel.digital erlebt hast. Hast du mitgemacht? Oder hast du die Zeit (so wie ich) lieber genutzt, um extra viel analog zu spielen?

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